Resolution: Vogelgrippe
… verabschiedet auf der 19. Jahrestagung der Gesellschaft für Tropenökologie
in Kaiserslautern am 23. Februar 2006
- Die Gesellschaft für Tropenökologie (gtö) sieht mit tiefer Sorge, dass sich eine neue,
hochvirulente Form des Erregers der Vogelgrippe mit der Bezeichnung H5N1 in mittlerweile mehr
als 30 Ländern in den Tropen, Subtropen und gemäßigten Breitengraden ausbreitet. - Wir unterstützen die Bemühungen der Bundesregierung in der Bundesrepublik Deutschland und
der Regierungen anderer Nationen, die Ausbreitung dieses Erregers zu stoppen und ein
Übergreifen auf die Bevölkerung zu verhindern. - Für die gtö ist dies ein weiterer Beleg, dass die Lebensräume unseres Planeten sehr viel stärker miteinander vernetzt sind, als dies in der Öffentlichkeit normalerweise wahrgenommen wird.
- Die in der nationalen und internationalen Öffentlichkeit zurzeit intensive Diskussion über die Rolle von Zugvögeln als möglichem Überträger von H5N1 veranlasst uns zu den nachstehenden Bemerkungen.
- Die gtö weist darauf hin, dass nach dem gegenwärtigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnis der Ursprung der hochvirulenten Variante bei Hausgeflügel im subtropischen China zu suchen ist. Dies bedeutet, dass Wildvögel Opfer des neuen Virus sind.
- Inwieweit Zugvögel tatsächlich die Ausbreitung des Virus beschleunigen, ist zurzeit eine völlig offene Frage. Gewiss ist, dass die Unsicherheit über die Hauptausbreitungswege groß ist und das tatsächliche Ausmaß der Verbreitung des Virus in Wildvögeln in Europa, Asien und Afrika völlig unklar ist.
- Wir ermutigen daher die Bundesregierung und die deutschen Naturschutzorganisationen, sich national und international für ein umfassendes Monitoring von Wildvögeln einzusetzen, das unbedingt Zugvögel in Deutschland, Europa, Asien und Afrika einbeziehen sollte. Dieses Monitoring sollte auch deshalb so umfassend geplant und durchgeführt werden, weil bekannte und wichtige Vogelzugstrecken Europa mit Asien, Europa mit Afrika und Afrika mit Asien verbinden.
- Ein umfassendes Monitoring von Wildvögeln kann dann als Frühwarnsystem eine ähnliche Funktion erfüllen wie durch Tierärzte bereits jetzt durchgeführte und durchzuführende Kontrollen von Hausgeflügelbeständen.
Kaiserslautern, den 23. Februar 2006,
der Präsident
Prof. Dr. Karl Eduard Linsenmair
im Namen des Präsidiums und des Wissenschaftlichen Beirats der gtö
February 23 2006 | NEWS | Comments Off